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Artikel aus dem Verein 24.09.2026

Die Zukunft der MINT-Bildung in Europa aus Sicht der Lehrkräfte: Umfrageergebnisse & Positionspapier

Europas Anspruch, weltweit eine führende Rolle bei Innovationen einzunehmen, hängt maßgeblich von einer Berufsgruppe ab: den MINT-Lehrkräften. Denn wie erfolgreich europäische Maßnahmen und Strategien zur Förderung von MINT-Bildung sind, entscheidet sich letztlich im Klassenzimmer.

MINT-Bildung ist entscheidend, um junge Menschen auf eine sich schnell verändernde Welt vorzubereiten. Lehrkräfte spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie setzen neue Lehrpläne um, greifen Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz und Nachhaltigkeit im Unterricht auf und vermitteln Schülerinnen und Schülern die Kompetenzen und Fähigkeiten, die sie für die Zukunft benötigen.

Als Europas größtes Netzwerk für MINT-Lehrkräfte erreicht die von Lehrkräften getragene Initiative Science on Stage Europe mehr als 100.000 Lehrkräfte in über 30 Ländern. Um die Realität und den Unterstützungsbedarf aus der Unterrichtspraxis besser zu verstehen, führte Science on Stage eine anonyme Online-Umfrage unter Lehrkräften aus dem eigenen Netzwerk durch.

Die Umfrage konzentrierte sich auf folgende Fragen: Was sind die aktuellen Prioritäten, Herausforderungen und Unterstützungsbedarfe von MINT-Lehrkräften? Und wie kann MINT-Bildung in Zukunft verbessert werden? Auf Grundlage der Umfrageergebnisse hat Science on Stage Europe Empfehlungen für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger entwickelt. Diese sind in einem Positionspapier zusammengefasst, das die Perspektiven von MINT-Lehrkräften in die europäische bildungspolitische Debatte einbringen soll.

Mit diesem Positionspapier möchte Science on Stage die Perspektiven von Lehrkräften in die aktuelle bildungspolitische Diskussion einbringen. Ob bei der Entwicklung des European STEM Competence Framework oder der derzeit von der Europäischen Kommission erarbeiteten Teachers Agenda – essentiell ist, die Erfahrungen und Perspektiven derjenigen einzubeziehen, die täglich im Klassenzimmer stehen.

Die anonyme Online-Umfrage wurde von Mitte Mai bis Mitte Juli 2026 durchgeführt. Neben Multiple-Choice-Fragen enthielt sie auch offene Fragen, um sowohl quantitative Daten als auch die persönlichen Perspektiven der Lehrkräfte zu erfassen.

Verbreitet wurde die Umfrage über das Science on Stage Netzwerk – unter anderem beim Internationalen Science on Stage Festival 2026, über die Science on Stage Newsletter sowie über die National Steering Committees der Mitgliedsländer.

Insgesamt nahmen teil:

  • 165 Lehrkräfte
  • aus 33 Ländern
  • aus allen Schulformen
  • mit einem breiten Spektrum an MINT-Fächern, insbesondere Physik, Mathematik, Biologie, Naturwissenschaften und Chemie, aber auch aus den Bereichen interdisziplinäre MINT-Bildung, Engineering, Robotik, Informatik und Lehrkräftebildung.

Die breite Beteiligung ermöglicht einen vielfältigen Einblick in die Erfahrungen von Lehrkräften aus unterschiedlichen Bildungssystemen und MINT-Fachbereichen.

Die Umfrageergebnisse

Bedarfe und Herausforderungen: Mehr Zeit und Zusammenarbeit

Über mehrere Teile der Befragung hinweg zeigte sich ein klares Bild: Zeit ist die knappste Ressource der Lehrkräfte. Auf die Frage, welche Unterstützung sie benötigen, nannten die befragten Lehrkräfte am häufigsten:

Unterrichtsmaterialien: Praxisnah und interdisziplinär

Die Befragten äußerten einen deutlichen Bedarf an praxisnahen Unterrichtsmaterialien, die sich direkt im Unterricht einsetzen lassen. Besonders häufig wurden folgende Themen für zukünftige Materialien genannt:

  • Praxisorientierte Experimente (49 %)
  • Interdisziplinäre MINT-Bildung (45 %)
  • Innovative Unterrichtsmethoden (42 %)
  • Künstliche Intelligenz im Unterricht (37 %)

Dabei betonten die Lehrkräfte, dass die Materialien direkt im Unterricht einsetzbar und an die eigenen Bedürfnisse und Gegebenheiten anpassbar sein sollten.

* Es konnten bis zu drei Optionen ausgewählt werden.

Rahmenbedingungen für eine stärkere MINT-Bildung: Interdisziplinärer Unterricht und mehr Zeit

Die Lehrkräfte nannten auch verschiedene Veränderungen auf struktureller Ebene, die die MINT-Bildung stärken könnten. Besonders groß war der Wunsch nach mehr Möglichkeiten für interdisziplinären Unterricht und zusätzlicher Zeit für fächerübergreifende Projekte – dies nannten 63 % der Befragten. Es folgte der Wunsch nach mehr finanziellen Mitteln und Ressourcen (53 %). Ein Drittel der Lehrkräfte (34 %) sah zudem mehr Möglichkeiten für Fort- und Weiterbildungen als wichtige Priorität.

MINT-Bildung im Wandel: Praxis- und lebensnah

Die offenen Antworten zeichnen ein klares Bild davon, wie sich Lehrkräfte die MINT-Bildung der Zukunft vorstellen. Immer wieder nannten sie folgende Aspekte:

  • mehr forschendes, praxis- und projektorientiertes Lernen;
  • eine stärkere Verbindung zu realen Herausforderungen und zukünftigen Berufsfeldern;
  • mehr Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften, Schulen und externen Partnern;
  • mehr Flexibilität bei der Gestaltung von Lehrplänen;
  • eine stärkere Förderung von Kreativität, kritischem Denken und Innovation.

Eine Lehrkraft brachte es so auf den Punkt:

„Die wichtigste Veränderung, die die MINT-Bildung braucht, ist der Wandel vom Auswendiglernen von Fakten hin zu forschendem und praxisorientiertem Lernen, das kritisches Denken, Kreativität, Problemlösungskompetenz und anwendungsorientierte Kompetenzen.“

Auch die Bedeutung der Zusammenarbeit wurde von einer weiteren Lehrkraft hervorgehoben:

„Lehrkräfte brauchen Zeit und Möglichkeiten zur Zusammenarbeit – unterstützt durch eine klare Führung und ein stabiles Bildungssystem, das Schulen die nötige Beständigkeit und Ruhe gibt, um sich auf das Lehren und Lernen zu konzentrieren.“

Future Skills

Auf die Frage, welche Kompetenzen und Fähigkeiten Schülerinnen und Schüler in Zukunft benötigen werden, nannten die Lehrkräfte mit großer Mehrheit fächerübergreifende Kompetenzen.

„Schülerinnen und Schüler sollten reale Probleme lösen, im Team zusammenarbeiten und Naturwissenschaften, Technik, Ingenieurwissenschaften, Kunst und Mathematik miteinander verbinden.“

Science on Stage Positionspapier

Auf Grundlage der Umfrageergebnisse hat Science on Stage Europe Empfehlungen für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger entwickelt. Diese sind in einem Positionspapier zusammengefasst, das die Perspektiven von MINT-Lehrkräften in die europäische bildungspolitische Debatte einbringen soll.

Lesen Sie das Positionspapier hier!

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