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Was ist ein Quantengatter und was macht es mit einem Qubit?

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Übersicht

Sekundarstufe

Physik, Mathematik, Informatik

Quantencomputing

Deutsch

Auf einen Blick

Schlüsselbegriffe: Logikgatter, Quantengatter, Bit, Qubit
Alter: 14+ Jahre
Erforderliche Kenntnisse/Fähigkeiten: Grundkenntnisse der Matrizen- und Vektorrechnung
Zeitrahmen: zwei Unterrichtsstunden (je 45 Minuten)

Autorin: Elena Vladescu (RO)

Inhaltsübersicht

Konzeptionelle Einführung
Quantengatter, die auf ein Qubit wirken
Quantengatter, die auf zwei Qubits wirken
Aktivitäten für Schüler*innen

Zusammenfassung

Diese Unterrichtseinheit führt Schüler*innen in die grundlegenden Bausteine von Quantencomputern ein – Qubits und Quantengatter – und zeigt, wie sie sich von klassischen Bits und Logikgattern unterscheiden. Durch praktische Aktivitäten mit Simulatoren erkunden die Schüler*innen Superposition, Verschränkung sowie die Funktionsweise häufiger Gatter wie des Hadamard‑ und des CNOT‑Gatters. 
 

Quantencomputing von Bits zu Quantensprüngen teaser

Quantencomputer unterscheiden sich von klassischen Computern, indem sie Qubits anstelle von Bits zur Speicherung und Verarbeitung von Informationen nutzen. Außerdem nutzen sie zwei spezifische Eigenschaften der Quantenphysik – Superposition und Verschränkung –, um simultan riesige Datenmengen zu verarbeiten. Während ein klassischer Computer Bits (0 und 1) sequenziell verarbeitet, können Quantencomputer alle möglichen Eingaben gleichzeitig verarbeiten. Dies führt zu einer enormen Beschleunigung der Rechenzeit. Quantencomputer können allerdings nicht jedes Problem schneller lösen als ein klassischer Computer. Neben den Qubits sind Quantengatter weitere Grundbausteine von Quantencomputern. Ähnlich wie klassische Logik-Gatter (siehe Klassische Computer – Einführung in Logikgatter) führen Quantengatter Operationen an Qubits durch und verändern diese.

Vom Bit zum Qubit und vom Logik-Gatter zum Quantengatter

Während klassische Bits nur die Werte 0 oder 1 annehmen können, kann ein Qubit gleichzeitig in einer Superposition von 0 und 1 existieren. Dies ist die Grundlage für die Rechenleistung von Quantencomputern.
Quantengatter ähneln den klassischen Logik-Gattern. Sie wirken auf ein oder mehrere Qubits und verändern diese. Im Folgenden beschreiben wir einige Quantengatter, die auf ein oder zwei Qubits wirken. Eine Liste von Quantengattern finden Sie hier.

Materialien

  • Papier und Bleistift
  • Tablets/Computer und Zugang zum Internet

Lernziele

In dieser Unterrichtseinheit lernen die Schüler*innen:

  • was Quantengatter sind und wie sie auf ein oder mehrere Qubits wirken;
  • die Matrixschreibweise einiger Quantengatter kennen;
  • wie man mit Matrizen und Vektoren mathematisch zeigen kann, wie Quantengatter Qubit-Zustände verändern.

Quantengatter, die auf ein Qubit wirken

Die Pauli-Gatter

Die Pauli-Gatter X, Y und Z gehören zu den wichtigsten Gattern, die auf ein ein Qubit wirken. 

Das Pauli-X-Gatter, auch NOT-Quantengatter genannt oder Bit-Flip, vertauscht den Basiszustand des Qubits von | 0 zu | 1 , oder von | 1 zu | 0 . Man kann auch sagen: Es tauscht die Wahrscheinlichkeiten aus, das Qubit in einem der beiden Basiszustände zu finden. 

Sind die Schüler*innen mit der Ket-Notation (| 0 und | 1 ) noch nicht vertraut und benötigen sie eine Einführung bzw. eine Auffrischung für das Rechnen mit Matrizen, können Sie mit ihnen die Unterrichtseinheit Matrizen und wie sie im Quantencomputing eingesetzt werden durchnehmen. 

Das Ket | 0 kann auch als Vektor [10] geschrieben werden, und das Ket | 1 als Vektor [01]. Die Ket-Notation und die Vektor-Notation sind äquivalent. Die Ket-Notation ist in der Regel übersichtlicher. 

Die Matrix-Darstellung für das Pauli-X-Gatter ist:

X=[0110].

Wendet man nun ein Pauli-X-Gatter auf ein Qubit im Zustand | 0 an, erhält man:

X| 0 =[0110][10]=[01]=| 1 .

Und analog:

X| 1 =[0110][01]=[10]=| 0 .

Das kann auch geschrieben werden: X| 0=| 1 und X| 1 =| 0

In einem Quantenschaltkreis, einem visuellen Modell eines Programms für einen Quantencomputer, wird das Pauli-X-Gatter durch das folgende Symbol dargestellt:

Das Pauli-Y-Gatter, das Pauli-Z-Gatter und weitere Gatter, die auf ein Qubit wirken, werden in der Liste der Quantengatter beschrieben.

Das Hadamard-Gatter

Das Hadamard-Gatter, benannt nach dem französischen Mathematiker Jacques Hadamard und symbolisiert durch den Buchstaben H, bringt ein einzelnes Qubit in eine gleichwahrscheinliche Superposition der beiden Basiszustände |0 und |1

H= 12 [ 11 11 ] .

Angewandt auf den Basiszustand |0 ergibt:

H [ 1 0 ] = 1 2 [ 1 1 1 1 ] [ 1 0 ] = 1 2 [ 1 1 ] = 1 2 ( [ 1 0 ] + [ 0 1 ] ) .

Oder in Ket-Notation:

H | 0 = 1 2 ( | 0 + | 1 ) .

Und analog:

H [ 0 1 ] = 1 2 [ 1 1 1 1 ] [ 0 1 ] = 1 2 [ 1 1 ] = 1 2 ( [ 1 0 ] [ 0 1 ] ) .

Oder in Ket-Notation:

H | 1 = 1 2 ( | 0 | 1 )

Die resultierenden Superpositionszustände werden als |+ und |- bezeichnet:

| + = 1 2 ( | 0 + | 1 )  und

| = 1 2 ( | 0 | 1 ) .

In einem Quantenschaltkreis wird das Hadamard-Gatter durch das folgende Symbol dargestellt:

Quantengatter, die auf zwei Qubits wirken

Kontrolliertes NICHT-Gatter (CNOT-Gatter)

Das kontrollierte NICHT-Gatter wird auch als CNOT bezeichnet – vom Englischen Controlled NOT. Es wirkt auf zwei Qubits. Das erste Qubit ist das Kontroll-Qubit, das zweite Qubit das Ziel-Qubit. Je nach Zustand des Kontroll-Qubits wird das Ziel-Qubit vertauscht oder es bleibt unverändert.

Die Wirkung eines CNOT-Gatters ist in Tabelle 1 zusammengefasst, wobei |a das Kontroll-Qubit und |b das Ziel-Qubit darstellt.

|abCNOT |ab

 

|00

 

|00

 

|01

 

|01

 

|10

 

|11

 

|11

 

|10

Tab.: Wirkung des CNOT-Quantengatters auf zwei Qubits. Der Zustand |00 beschreibt den Fall, dass beide Qubits - das Kontroll-Qubit und das Ziel-Qubit - im Zustand |0 sind.

Für weitere Quantengatter, die auf zwei Qubits wirken, siehe Liste der Quantengatter.

Aktivitäten für Schüler*innen

Die Schüler*innen können sich anhand von drei Arbeitsblättern näher mit Qubits und Quantengattern vertraut machen – den grundlegenden Bausteinen von Quantencomputern.

Arbeitsblatt 1: Die Schüler*innen entdecken verschiedene Simulatoren für Quantenschaltkreise und erstellen einfache Schaltkreise. Download als docx und pdf.

Arbeitsblatt 2: Die Schüler*innen verwenden einen Quantenschaltkreis-Simulator ihrer Wahl (zum Beispiel die Quantum Machine) und wenden ein Hadamard-Gatter auf ein Qubit und/oder ein CNOT-Gatter auf zwei Qubits an. Download als docx und pdf.

Arbeitsblatt 3: Die Schüler*innen programmieren einen Zufallszahlengenerator, indem sie das Prinzip der Superposition verwenden. Download als docx und pdf.

Die folgenden Unterrichtseinheiten in diesem Projekt geben einen tieferen/anderen Einblick, wie Quantengatter auf ein oder mehrere Qubits wirken: 

  1. Shoshany, B. (2018), "Thinking Quantum: Lectures on Quantum Theory". arXiv preprint arXiv:1803.07098. https://arxiv.org/pdf/1803.07098

  2. Satanassi, S. (2019), Quantum computers for high school: design of activities for an I SEE teaching module, University of Bologna, Supervisor: Levrini O., Co-supervisor: Giovanni Ravaioli. https://iseeproject.eu/wp-content/uploads/2017/04/Quantum-computers-for-high-school-_-SS.pdf 

  3. Barelli, E. (2017), Science of complex systems and future-scaffolding skills: a pilot study with secondary school students, University of Bologna, Supervisor: Levrini O., Co-supervisor: Tasquier G. and Laura Branchetti. https://iseeproject.eu/wp-content/uploads/2017/04/EB_Tesi.pdf 

  4. Quantum Logic Gates: Roots, Exponents, and Eigensystems — Wolfram Demonstrations Project. https://demonstrations.wolfram.com/QuantumLogicGatesRootsExponentsAndEigensystems/ 

  5. Classical computing versus quantum computing — IBM. https://www.ibm.com/topics/quantum-computing 

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