Qubits, Quantengatter und Quantenschaltkreise – aus der Informatikperspektive: Teil 1 Qubits und ihre Darstellungsweisen
Übersicht
Kontext
Dieses Material ist Teil der dreiteiligen Unterrichtseinheit „Qubits, Quantengatter und Quantenschaltkreise – aus der Informatikperspektive“. Teil 1 bildet die Einführung und konzentriert sich auf das Konzept der Qubits als grundlegende Einheiten der Quanteninformation. Die Schüler*innen lernen, wie Qubits definiert werden und wie sie mithilfe der Bra-Ket-Notation sowie Vektordarstellungen beschrieben werden können, wodurch die mathematische Grundlage für die folgenden Teile der Einheit geschaffen wird.
1. Was ist ein Qubit?
Die folgenden Aufgaben befassen sich mit den Grundlagen der Informatik: Computer speichern „Informationen“ und verarbeiten sie.
Aufgabe 1
Definiere die Begriffe „Bit“ und „Byte“. Recherchiere auch alternative Systeme zur Datenspeicherung wie „Trit“ oder Dezimalcomputer.
Ein „Bit“ steht für „binary digit“, also Binärziffer. Damit kann ein Bit nur die Werte 0 oder 1 haben.
Ein „Byte“ ist eine Gruppe von in der Regel 8 Bits, mit dem beispielsweise eine ganze Zahl von 0 bis 255 repräsentiert werden kann.
Ein „Trit“ hingegen steht für „ternary digit“, also eine Ziffer aus dem Ternärsystem. Als Besonderheit sind diese Ziffern nicht 0, 1 und 2, sondern −1, 0 und 1. Dieses System könnte in Computern beispielsweise leicht durch „negative Spannung anliegend“, „keine Spannung anliegend“ und „positive Spannung anliegend“ implementiert werden, was für gewisse Schaltungen eine höhere Effizienz bedeutet. Gleichwohl wurden bis auf wenige Prototypen (z. B. der russische Computer „Setun“21) keine ternären Computer gebaut.
Viele der ersten Computer sowie mechanische Rechenmaschinen der Jahrhunderte davor nutzten nicht das Binärsystem wie heutige Computer, sondern das Dezimalsystem. Das heißt, dass die Grundeinheit zur Speicherung nicht ein Bit („0“ oder „1“), sondern eine Dezimalziffer („0“ bis „9“) war. So lassen sich zwar Zahlen wie für uns Menschen üblich einfacher darstellen, die Vorgänge in der Maschine selbst zum Berechnen beispielsweise von Additionen oder Multiplikationen sind dagegen viel aufwendiger (es muss z. B. das ganze „kleine Einmaleins“ in Hardware nachgebaut werden, während im Binärsystem lediglich 0 · 0, 0 · 1, 1 · 0 und 1 · 1 gebaut werden muss). Der bekannte ENIAC‑Computer arbeitete beispielsweise mit dem Dezimalsystem, während Konrad Zuses Z3 bereits im Binärsystem arbeitete.
Aufgabe 2
Recherchiere Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Darstellung von Informationen. Recherchiere insbesondere, wie natürliche Zahlen, Dezimalzahlen und Zeichen in einem Computer gespeichert werden.
Natürliche Zahlen werden als Binärzahl gespeichert. Das bedeutet, dass eine Zahl insgesamt Bits benötigt.
Eine Kommazahl könnte theoretisch auch als Binärzahl gespeichert werden, wobei die Ziffern nach dem Komma im Binärformat die Werte , , , …, haben könnten.
Dies führt jedoch zu unerwarteten Problemen, weil bereits die Zahl 0,3 als unendliche periodische binäre Dezimalzahl repräsentiert werden müsste, was unendlich viele Binärziffern für die Nachkommastellen erfordern würde.
Deshalb begnügt man sich mit einer gerundeten Version der Binärzahl. Der Standard IEEE 75422, der für Binärzahlen in der Regel verwendet wird, legt daher eine Kommazahl im Binärformat als aus drei Komponenten bestehend fest: ein Bit für ein Vorzeichen, 23 Bit für die Mantisse (die genaueste Darstellung der Zahl mit genau einer Stelle vor dem Komma) und acht Bit für den Exponenten (als positive oder negative Zahl), mit dem potenziert wird.
Zeichen werden mit Hilfe einer Zeichentabelle gespeichert. Diese weist einer Binärzahl ein Zeichen zu. Die folgende Tabelle ist die ASCII‑Tabelle, die für die ersten 128 Zeichen heutzutage in der Regel verwendet wird (die ersten 32 Zeichen sind Steuerzeichen, die hier leergelassen wurden):
| Bits 1–3 → | 000 | 001 | 010 | 011 | 100 | 101 | 110 | 111 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| ↓ Bits 4–7 0000 | ␣ | 0 | @ | P | ‘ | p | ||
| 0001 | ! | 1 | A | Q | a | q | ||
| 0010 | " | 2 | B | R | b | r | ||
| 0011 | # | 3 | C | S | c | s | ||
| 0100 | $ | 4 | D | T | d | t | ||
| 0101 | % | 5 | E | U | e | u | ||
| 0110 | & | 6 | F | V | f | v | ||
| 0111 | ' | 7 | G | W | g | w | ||
| 1000 | ( | 8 | H | X | h | x | ||
| 1001 | ) | 9 | I | Y | i | y | ||
| 1010 | * | : | J | Z | j | z | ||
| 1011 | + | ; | K | [ | k | { | ||
| 1100 | , | < | L | \ | l | | | ||
| 1101 | - | = | M | ] | m | } | ||
| 1110 | . | > | N | ^ | n | ~ | ||
| 1111 | / | ? | O | _ | o |
2. Qubits und wie sie dargestellt werden können
Von Bits zu Qubits
Im Gegensatz zu einem Bit (kurz für Binary Digit), das nur den Wert 0 oder 1 annehmen kann, ist ein Qubit (kurz für Quantum Bit) ein Quantensystem, das sich in zwei Basiszuständen oder einer beliebigen Kombination dieser beiden Zustände befinden kann. Eine Kombination der beiden Basiszustände wird auch als Superposition bezeichnet. Ein Qubit kann also in einem von unendlich vielen möglichen Zuständen vorliegen. Bei einer Messung des Qubits ergibt sich als Ergebnis einer der Basiszustände. Es kann nur mit Wahrscheinlichkeiten angegeben werden, ob das Qubit im einen oder im anderen Basiszustand gemessen wird.
Es gibt verschiedene Methoden, um ein Qubit herzustellen. Ein Qubit kann ein Photon mit zwei Polarisationszuständen sein (z. B. links‑ oder rechtszirkular polarisiert), oder ein Elektron mit seinem Spin (Spin up oder Spin down) usw. Obwohl sich die tatsächlichen Implementierungen unterscheiden, kann theoretisch jede dieser Methoden das gleiche abstrakte Konzept eines Qubits darstellen.
Vektor- und Bra-Ket-Notation eines Qubits
Ein Qubit kann mithilfe der Bra‑Ket‑Notation dargestellt werden (eingeführt von Paul A. M. Dirac, 1902–1984, siehe the lesson Matrizen und wie sie im Quantencomputing eingesetzt werden). In der Regel werden die Basiszustände des Qubits als und geschrieben. Anstelle der Bra‑Ket‑Notation kann ein Qubit auch als Vektor der Länge 1 dargestellt werden, mit und . Die Bra‑Ket‑Notation und die Vektordarstellung sind äquivalent.
Man kann mit der Bra‑Ket‑ oder der Vektornotation auch mehrere Qubits darstellen. Für zwei Qubits und sind die möglichen Basiszustände zum Beispiel:
, , und .
| Anzahl der Qubits | Bra‑Ket‑Notation | Vektornotation |
|---|---|---|
| 1 Qubit |
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| 2 Qubits |
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Tabelle 1: Basiszustände von Systemen mit einem oder zwei Qubits in Bra‑Ket‑ und Vektornotation.
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